21. Januar 2026 - Wärmeplanung

mit MdB Dr. Lisa Badum 
sowie Dr-Ing. Philipp Sinn SINN Power

 

Wärmeplanung zügig gestalten! Wie?

 

Veranstaltung mit Lisa Badum (MdB, klimapolitische Sprecherin im Bundestag)

und Dr-Ing. Philipp Sinn (Gründer und CEO SINNPower GmbH)

bosco, 21. Januar 2026, 19 Uhr

 

Heiko Braun (HB) eröffnet die Veranstaltung mit einem Appell zur Klimakrise. Sie ist aus den Medien verschwunden, aber längst nicht vorbei: Täglich verlieren 67.000 Menschen ihr Zuhause. Trockenheit und Borkenkäfer setzen unseren Fichtenmonokulturen zu – wir brauchen Mischwald. Klima- und Artenkrise gehen Hand in Hand, denn der rasche Temperaturanstieg betrifft alle Arten.

Teilnehmer: 

Lisa Badum (LB) ist MdB seit 2021 für den Wahlkreis Bamberg/Forchheim und dort klimapolitische Sprecherin. Sie arbeitete bis 2017 beim grünen Energieversorger „Naturstrom“ und hat Wärmenetze geplant.  LB war bei der UN-Klimakonferenz in Belém dabei, erwähnt, dass sich Brasilien als Schwellenland sehr stark eingesetzt hat, das Ergebnis jedoch leider weit unter EU-Zielen liegt.

Dr-Ing. Philipp Sinn (PS) ist Ingenieur für Umwelt- und Energietechnik und als Berater in der Industrie tätig. Mit seiner Firma SINNPower hat er z. B. eine Floating-PV-Anlage dem Baggersee des Gilchinger Kieswerks gebaut. Seine Fachgebiete sind thermische und elektrische Energie, Speichertechnologien, Wirtschaftlichkeit und er richtet seinen Blick global aus. Leider, so sagt er, drehe sich die Welt in eine Richtung, in der das alles nicht mehr wichtig sei. Aus diesem Grund sei unsere eigene Resilienz äußerst wichtig: wir müssen die Abhängigkeit von anderen reduzieren.

Dr. Matthias Ilg (MI), Gautinger Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat weist ebenfalls auf die Gefahren dieser Abhängigkeit hin. Leider ist die Kommunale Wärmeplanung nur eine Potenzialanalyse und noch kein Plan. Dies müssen wir ändern damit wir in Gauting Planungssicherheit und -klarheit bekommen. Und die Planung muss für alle machbar sein. 

 

Weiter geht es mit einem Überblick über die verschiedenen Energie- und Wärmearten.

 

Geothermie

  • Tiefengeothermie

 

In ca. 3km Tiefe liegt das voralpine Molassebecken (ca. 3km Steinboden, dann Karst; in Regensburg befindet es sich noch an der Oberfläche und fällt dann mit einem Neigungswinkel von 2-3 Grad ab), alle 100m steigt die Temperatur um 3 Grad, so dass das Wasser dort in etwa 110 Grad hat. Das kann man ins Fernwärmenetz einspeisen (wie bereits praktiziert in Pullach und Grünwald, die haben aber auch mehr Geld als Gauting).

Aus einer Kilowattstunde (kWh) kann man ca. 10-20 kWh Wärme erzeugen. (Zum Vergleich: Erdöl: Faktor 0,8 – Wärmepumpe: Faktor 3,5)

Beim Bohren gibt es ein Risiko, das leider nicht versichert werden kann (Erfolgsquote >90%).
Bei der geplanten Tiefengeothermie in Gauting ist Gilching leider abgesprungen, weil ihnen der Preis mit 12 Cent für die kWh zu hoch war. LB nennt 12-15 Cent nicht viel, der Referenzpreis hierfür dürfe nicht der momentane Gaspreis sein, es sollte die Wärmepumpe als Vergleich hergenommen werden. PS nimmt den Ölpreis (er setzt 1€ an) als Basis und rechnet vor, dass auch da eine kWh 12 Cent kosten würde. Als „funfact“ lässt er das Publikum raten, wie hoch es den  Anteil der Stromkosten und der Kosten für Wärmeerzeugung bei einem Unternehmen schätzt. → Es sind 2% (Strom) und 1,5% der Kosten, die darauf entfallen. Die Energiekosten als Faktor für den Wirtschaftsstandort werden also überschätzt. Und Unternehmen sollte es wert sein, in erhöhte Unabhängigkeit zu investieren.

 

LB weist darauf hin, dass wir hier mit dem Molassebecken auf einem großen Schatz sitzen.

Der Claim, im Unterbrunner Holz zu bohren, liegt jetzt noch für 3 Jahre bei Silenos. Eine Leitung nach Gauting mit ca 3 Kilometer Länge wird ca. 6-10 Mio. € kosten.

 

  • Erdsonden (ca 100m Tiefe)

 

Pro kWh Strom kann man damit 5-6 kWh Wärme gewinnen. Die Wärmeplanung sieht dafür Großes Potenzial hier für uns in Gauting!

 

  • Kollektoren im Boden (wenige Meter Tiefe)

Auch hier muss mit einer Wärmepumpe kombiniert werden. Wegen geringerer Tiefe wird muss hier mit größerer Fläche gearbeitet werden. Daher möglich an den Ortsrändern wo landwirtschaftliche Flächen genutzt werden können. 

 

Wärmepumpe

Anmerkung von PS:Wenn man aus Öl Strom macht, gewinnt man aus einer eingesetzten kWh 0,4 kWh Elektrizität oder etwa 0,8kWh Wärme. Nutzt man die aus dem Öl gewonnene Elektrizität zum Betrieb einer Wärmepumpe, kann man dagegen etwa 2 kWh Wärme gewinnen.

Flussthermie

30% unseres rechnerischen Bedarfs könnten wir aus der Würm beziehen. Der Wärmegehalt (spezifische Wärmekapazität) von Wasser – auf das Volumen betrachtet -  ist 3.500-fach höher als der von Luft. Daher liesse sich aus der Würm viel Wärme holen. Und Starnberg liegt mit dem Starnberger See an einem für die Eigenversorgung absolut ausreichenden Wärmepotential.

PS berichtet vom StartUp eines Freundes, der Wärmepumpen baut, die vor den Boiler gesetzt werden, um auch für Altbauten eine passende Vorlauftemperatur zu erzeugen.

[Tipp aus dem Publikum, als es um die Vorlauftemperatur geht: Diese einfach mal auf 45 -55 Grad regeln und so lange das Haus dann noch gut warm wird, ist der Einbau einer Wärmepumpe möglich.

Windenergie

Hier ist leider auf Gemeindegrund wegen des Konfliktes mit Flugrouten des Sonderflughafen Oberpfaffenhofen so gut wie nichts umsetzbar. Einzig EIN mögliches Windrad in Buchendorf ist verblieben.

Photovoltaik

PS: Eine eigene PV-Anlage auf dem Dach lohnt sich immer, ein Speicher hierfür auch. Den ganzen Bedarf im Haus kann man damit leider nicht decken.

Lithium-Ferrit-Batterien speichern Tagstrom für die Nacht → auf den Tagespreis kommen so nochmal ca. 6-8 Cent drauf (ergibt etwa 14 Cent/kWh für Strom in der Nacht).

Im Sommer beträgt der Stromertrag das Fünffache vom Winter; der Strom zur Vollversorgung im Winter kostet etwa 15 Cent.

Mit erneuerbaren Energien kann man schnell Geld sparen (nach 10 Jahren hat sich die Anschaffung rentabilisiert) und sie sind eine Investition in die Resilienz unserer Energieversorgung und ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

LB fragt: „Was ist denn die Alternative?“ und beantwortet diese Frage sogleich selbst: „Es gibt keine!“ Die AfD wolle zwar ständig alle Gesetze dazu abschaffen, böte aber keine Gegenvorschläge an.

PS sagt, er verstehe nicht, wie man angesichts der klimatischen und politischen Entwicklung auf Öl und Gas setzen kann. Er bedauert allerdings, dass aufgrund der Bürokratie Ideen manchmal scheitern würden.

Beitrag aus dem Publikum: Lokale Subsistenz der Energie ist wichtig! Wie können wir es schaffen, möglichst unabhängig von großen Netzen zu sein und in Notsituationen (siehe Blackout in Berlin) autark zu sein? Selbst die eigene PV-Anlage müsse man im Falle eines Stromausfalles abschalten !

Von PS kommt der Hinweis, dass es inzwischen Bauteile gibt, die nachgerüstet werden können, um die PV-Anlage – wie vom Versorger gefordert – vom Netz abkoppen zu können. Damit wird eine autarke Stromversorgung im Haus möglich.

Wärmenetze

Was spricht für Wärmenetze ?

LB: Vorteil: Eine große Heizzentrale für viele Häuser ist effizienter, als viele einzelne Anlagen. Man muss sich die Frage stellen, wo viele engmaschig stehende Häuser vorhanden sind (200-300) und ob es eine günstige Wärmequelle gibt, die man anzapfen kann. Also Beispiel führt sie Meitingen an welches seinem Niedertemperaturfernwärmenetz die Abwärme aus Biomüll nutzt.

Wir werden hier in Gauting nicht alle anschließen können (z.B. die, die nicht in solchen Zentren wohnen) → Wärmeversorgung in Eigenverantwortung. Dafür ist es wichtig, zu wissen: wo kann es Wärmenetze geben und wo nicht! Die Bürger*innen brauchen Klarheit!

Außerdem ist es wichtig, Firmen für den Betrieb dieser Netze zu haben, denen die Menschen vertrauen.

MI weist auf die Möglichkeit hin,  daß ein Wärmenetz die Möglichkeit gibt verschiedene Wärmequellen in ein Netz einzuspeisen. So gibt es bei Tiefengeothermienlagen Redundanzheizanlagen für den Wartungsfall. 

PS rät dazu, Geld lieber vor Ort zu investieren, als es im gleichen Zeitraum nach Saudi-Arabien zu schieben. Die Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung erachtet er als äußerst wichtig.

Wie erfolgt die Umsetzung?

LB: Im Rahmen von z.B. Straßenbauarbeiten, die ohnehin stattfinden, könnte man den Bau von Netzen durchführen. Es muss ein Investor gefunden werden und die Gemeinde sollte sich ein Mitspracherecht vorbehalten. Wärmenetze sind teuer, die Rendite erfolgt nicht sofort. Vom Bund gibt es eine Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW),

Ab dem Handwerkerhof wäre geplant, dass das Netz von der Geothermie Gauting selbst betrieben wird. Letzter bekannter Stand: 20250415_GR_Sitzung_Gauting.pdf

LB: Der Energiewende stehen natürlich die Interessen der Gasheizungshersteller und der -netzbetreiber entgegen und weitere wirtschaftliche und politische Interessen. ABER: Die Energiewende lässt sich nicht mehr aufhalten!

 

PS: Wenn die Welt sich weiterdreht und sich Dinge entwickeln, wünschte man sich manchmal, man hätte schon eher was gemacht ...

HB: Gauting wird derzeit noch zu 90% mit Öl und Gas versorgt.

MI: Wir brauchen einen Plan B, wenn das mit der Tiefengeothermie nichts wird. → MI bestätigt einen Einwurf aus dem Publikum: Eine Großwärmepumpe beispielsweise am Handwerkerhof könnte ein Teil davon.

Die Umweltbeauftragte der Gemeinde ist dabei, zu erfragen, ob es Interessenten für kleinteilige Wärmenetze gibt und versucht, Investoren/Betreiber zu finden.

Zuhörer: Bezüglich dieser kleinen, lokalen Wärmenetze sei bisher zu wenig passiert, er erwarte einen Impuls aus dem Rathaus; eine Machbarkeitsstudie, wo es möglich sein und wo nicht.

MI versichert, dass dies eine seiner ersten Handlungen als Bürgermeister sein werde: alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, um zu klären, wie es zügig weitergehen kann!

PS: In der Wärmeplanung gibt es kein Koppelungsverbot: man kann neu zu bauende Gewerbegebiete mit einer Wärmeplanung verbinden, wenn sowieso Straßen neu gebaut werden.

 

LS bestätigt, dass Neubaugebiete oft eine Initialzündung für Fernwärmenetze sind.

 

Die Wärmeliniendichte im Dokument zur Wärmeplanung in Gauting sagt aus, ob ein Trassenabschnitt wirtschaftlich betrieben werden kann. Dort kann sehen ob wo in Gauting ein Wärmenetz Sinn macht ? 

 

Frage aus dem Publikum: Wenn das Aus für die Tiefengeothermie kommt, dauert es ja wieder Jahre, bis erneut geplant wird und verschiedene lokale Netze entstehen. Beschleunigt nicht der sofortige individuelle Einbau von Wärmepumpen die Energiewende besser? Sollte man nicht einfach das Stromnetz dafür verstärken ?

MI stimmt zu, dass man offen denken und auch ganz nüchtern rechnen müsse. Insbesondere weil für dieses Szenario die Wärmenetzkosten wegfallen würden. Die Tiefengeothermie sollte aber nicht aus den Augen gelassen werden. Falls sich bis nicht vorwärts geht sollte sich die Gemeinde  in 3 Jahren um den Claim bemühen. Dann ist die Chance für einen Neustart mit günstiger gelegener Bohrstelle. 

Frage: Werden beim Patchway-Anger gleich schon Leerrohre mit gelegt? Würde MI als Bürgermeister dafür sorgen? MI: Ja. Das ist dort erforderlich da es ja eine „sozial-ökologische“ Mustersiedlung werden soll. 

MI sagt, dass er, sollte er zum Bürgermeister gewählt werden, schnell für Klarheit sorgen werde – in bestimmten Gebieten sei es allerdings jetzt schon klar, dass diese nie an ein Netz angeschlossen werden würden (auf der Homepage der Gemeinde einsehbar). Eine ältere Bürgerin erwähnte aber bereits zu Beginn der Veranstaltung, dass die Lektüre dieses ellenlangen Dokuments für sie nicht verständlich sei.

Frage: Investitionen in erneuerbare Energie würde doch auch für die Gemeinde Sinn machen und langfristig dem Haushalt gut tun. Kann die Gemeinde dafür Kredite aufnehmen )

MI: Das ist der Gemeinde derzeit nicht möglich weil solche Vorhaben „auf Pump“ aufgrund der schlechten Finanzsituation der Gemeinde von der Rechtsaufsicht nicht erlaubt werden.

Erneute Forderung aus dem Publikum: Es solle den Bürger*innen mitgeteilt werden, was alles möglich sei – und evtl. könne man sich ja auch mal in Pullach ansehen, wie die das dort machen. Hinweis von MI: Der Gemeinderat hatte schon einen Besichtungstermin in Pullach vor vor 5 Jahren statt.

Transparenz, Information und der Wunsch nach einer besseren Kommunikation werden nochmals angesprochen: Antwort MI: die Forderung wäre die Dinge auf EIN DINA4-Blatt zu bringen!“

Abschluss mit Hinweis auf die Bürgersprechstunde am Mi., 28. Januar 2026 im Next Level, am Hauptplatz.

© Dr. Matthias Ilg 2026. Alle Rechte Vorbehalten. 

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