25. Februar 2026 - Kinderbetreuungsturbo für Gauting

 

bosco Bar Rosso, 25. Februar 2026 19 Uhr bis 21 Uhr. 

Teilnehmer auf dem Podium:

Julia Post, MdL und Expertin zum Thema aus der Grünen Landtagfraktion

Claudia Nothaft, selbst Mutter dreier schulpflichter Kinder und Gemeinderätin, Nr. 2 auf der Grünen Liste für den neuen Gemeinderat

Claudia Freund, für die Elterninitiative Prio1

Dr. Matthias Ilg, Bürgermeisterkandidat für Gauting

 

Hintergrund und Motivation für die Veranstaltung:

Zur Zeit kann die Gemeinde alle Anfragen nach Kindergartenplätzen gerade so befriedigen. Daher scheint die Situation – oberflächlich gesehen – stabil. Aber wir kommen aus viel rauheren Gewässern. Viele Familien konnten in den letzten zwei Jahren ihre Kinder nicht unterbringen. Lange Wartezeiten auf die Platzzusage waren die Regel. Und viele weichen auch in andere Gemeinden aus. Oder verzichten auf Kinderbetreuung.

Publikum:  Wohl auch wegen wichtiger parallel laufender Infoveranstaltungen waren relativ wenige direkt betroffene Eltern anwesend. Dafür aber ein guter Querschnitt aus der Bevölkerung mit unterschiedlichen Berührungspunkten zur Kinderbetreuung und – wie man aus der Diskussion sah – viel Herzblut für das Thema. Daher öffnete sich die Diskussion auch sehr schnell in das Publikum.

Zur Übersichtlichkeit aber die Positionen und Schlüsselaussagen der Podiumsteilnehmer vorneweg: 

 

Julia Post (MdL)  zu den Rahmenbedingungen:

Julia Post gab einen Einblick in aktuelle Gesetzesinitiativen mit zwei zentralen Zielen:

                •             Qualitätsverbesserung in Kitas

                •             Attraktivitätssteigerung des Erzieher*innen-Berufs

Besonders alarmierend ist die Situation in der Ausbildung und in den ersten Berufjahren für Erzieher*innen: 

                •             Nach einem Jahr  Ausbildung verbleiben nur noch ca. 70 %.

                •             Rund 30 % verlassen den Beruf während der ersten fünf Jahre. 

Damit ist klar dass es die unattraktiven Rahmenbedingungen es den Erzieher*innen schwer machen. Andersweitig attraktivere Bezahlung und geringere Belastung sorgen für Abwanderung aus dem Beruf. 

 

 

Konkrete strukturelle Punkte:

                •             Betreuungsschlüssel in Bayern: 1:11

                •             München: bereits 1:8 – spürbare Entlastung und höhere Attraktivität für Erzieher*innen.

Nachtrag nach der Veranstaltung: Bayern ist das Land mit dem bundesweit niedrigsten Anteil von qualifizierten Erzieher*innen beim Kita-Personal (54,5%). 

Kitaleitungen sind besonders belastet. Die  aktuelle Freistellung von wöchentlich nur ca. 2 Stunden pro Woche für Büroarbeit reicht nicht aus. Daher die Forderung: 

                •              mindestens 20 Stunden Leitungsfreistellung

Weiterhin ist es die Forderung von Seiten der Grünen auf Landesebene: 

                •             Betriebskostenförderung sollte bei mind. 90 % liegen (statt 60–65 %)

Ausserdem trägt der Freistaat Bayern trägt Verantwortung für Fachkräftesicherung und einheitliche Rahmenbedingungen.

Bei Fördermitteln ist anzumerken: 

                •             Die Kommunen rufen Fördermittel teilweise wegen hohern Bürokratieaufwandes nicht ab

 

Dr. Matthias Ilg als Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat:

Aus Sicht der Gemeinderates haben wir derzeit eine verbesserte, aber keineswegs optimale Situation. Die KiTa-Plätze reichern gerade so aus. Eine eigentlich einzuplanender Vorhalt von 10-15% für Zuzug (Anmerkung Bestandsaufnahme 2023) ist derzeit nicht gewährleistet. Man hört vielfach dass Eltern grosse Kompromisse eingehen um die Kinderbetreuung organisiert zu bekommen. Von der teilweise heftigen finanziellen Belastung mal ganz abgesehen.

 In puncto rein rechnerischer Kapazität ist der derzeitige Flaschenhals die Verfügbarkeit von Erziehungskräften. Die rein baulich vorhandenen Kindergartenplätze dürfen aber auch nicht aus dem Auge verloren werden. Neubauten werden zeitnah fällig da teilweise der bauliche Zustand Zugzwang ergibt. 

Also: wir sollten uns nicht täuschen lassen. Die derzeitige Situation bedarf auf alle Fälle der Stabilisierung. Mein Anliegen: wir brauchen einen Qualitätssprung bei der Kinderbetreuung. Damit Eltern und Kinder eine entspannte und gesicherte Situation in Gauting bekommen. 

Wichtig ist: 

                •             Freie Wahlmöglichkeit für alle Eltern – sowohl für erwerbstätige Eltern als auch für jene, die ihre Kinder selbst betreuen möchten

                •             Gleichberechtigung unterschiedlicher Lebensentwürfe. Die Einrichtungen richten sich nach den Eltern. Nicht andersherum. 

                •             Wahlfreiheit existiert nur, wenn die notwendige Infrastruktur vorhanden ist

In diese Richtung werden wir nicht sofort kommen. Verbesserungen sind realistisch über kontinuierliche kleine Schritte. Und angesichts der Aufgabe braucht es kreative Lösungen aus Bürgerschaft und Gemeinderat. Ich wünsche mir eine Verwaltung die stärker vor Ort präsent ist (also auch in den Einrichtungen) und -idealerweise – aktiv weiss wo die Probleme liegen. 

Weiterhin kann die Kommunkation durch strukturierte Beteiligungsformate wie z. B. einen Familienbeirat verbessert werden. Damit kommt es zu weniger Energieverlust durch unkoordinierte und redundante Anfragen. Es besteht die Chancekonstruktiv und proaktiv im Dialog zu bleiben.

 

Claudia Nothaft aus der grünen Fraktion und selbst als Mutter betroffen:

Claudia setzt sich klar für die Etablierung eines offenen Ganztags ein und sieht darin große Chancen für Familien:

                •             Möglichkeit zur Einbindung von Vereinen

                •             Kostenfreie Betreuung für Eltern

                •             Bestehende Mittagsbetreuungen könnten als Träger in den offenen Ganztag überführt werden

 

Prio 1 Elternintiative vertreten durch Claudia Freund und (im Publikum) Andrea Böckle: 

Kinderbetreuung ist Priorität 1 und sollte von der Gemeinde auch so gesehen werden. Folgende Punkte eingebracht:

                •             Konzepte – insbesondere zum Thema Ganztag – sollten transparent vorgestellt werden.

                •             Bei neuen Konzepten sollten Eltern aktiv in den Gestaltungsprozess eingebunden werden.

                •             Bedenken wie auch kreative Lösungsansätze müssen frühzeitig berücksichtigt werden.

Prio1 stellt klar, dass dieses Angebot zur Mitgestaltung bereits vor zwei Jahren an die Gemeinde herangetragen wurde – ohne Resonanz. Die daraus entstandene Frustration wurde offen benannt.

Weiterhin wird die Bedarfsabfrage Ganztag kritisiert: 

                •             Die Bedarfserhebung wurde als intransparent wahrgenommen.

                •             Fragestellungen waren für viele nicht verständlcih bzw. nachvollziehbar.

                •             Eltern sind verunsichert, welche Auswirkungen die Abfrage hat.

                •             Kaum jemand weiß konkret, was ein gebundener Ganztag inhaltlich bedeutet oder welche pädagogischen Schwerpunkte damit verbunden sind.

 

Diese Einschätzung wurde sowohl von den Podiumsteilnehmenden als auch aus der Zuhörerschaft geteilt. 

Zudem wurde der Eindruck geteillt dass im bisherigen Gemeinderat sowie seitens Bürgermeisterin und Verwaltung keine ausreichend intensiver Fokus auf dem Thema Ganztagsbetreuung lag. 

Kommentar Dr. Matthias Ilg: es ist eine Henne-Ei-Problem. Die Eltern wissen nicht gut genug welche Chance angeboten. Dementsprechend wird auch nur zurückhaltendes Interesse signalisiert. 

Günstiger wäre: man geht im Vorleistung mit der angebotenen Platzzahl. Wenn sich ein Angebot einen guten Ruf aufbaut dann kommen die Anmeldungen von alleine.

Signal für die Zukunft: Gauting muss seine Herangehensweise ändern. 

 

4. Qualitätskriterien bei Trägern

Prio1 regt an dass bei Ausschreibungen und Neuvergaben künftig stärker berücksichtigt werden sollte:

                •             Personalsituation

                •             Fluktuationsrate

                •             Mitarbeitermotivation

                •             Stabilität der Personaldecke

Auch bei bestehenden Trägern sollte die Verwaltung diese Faktoren systematisch im Blick behalten. Ziel: Träger mit stabilen Teams und zufriedener Belegschaft langfristig stärken.

Kommentar Dr. Matthias Ilg: gute Anregung, sollte möglich sein.

5. Infrastruktur & pragmatische Lösungen

Für Notsituationen – etwa bei Sanierungen oder akut fehlenden Räumlichkeiten – wurde eingefordert, dass die Verwaltung kreativ unterstützt und alternative Räume bereitstellt.

Als konkrete Idee wurde eingebracht, auch Räumlichkeiten im Rathaus verstärkt zu prüfen und temporär nutzbar zu machen.

6. Zahlen zur Dringlichkeit

Die Zahlen zur Ganztagsbetreuung zeigen klaren Handlungsbedarf:

                •             In Bayern fehlen aktuell rund 42.400 Ganztagsplätze

                •             Langfristiger Bedarf: ca. 200.000 Plätze

                •             Nur 43 % nehmen in Bayern den Anspruch wahr

(zum Vergleich: Saarland 74 %)

Hemmnisse zur Teilnahme an der Ganztagsbetreuung sind hohe Elternbeiträge, zu wenig Plätze und fehlende Transparenz

 

 

7. Finanzierung – zusätzliche Idee: 

Wenn Förderprogramme eine 30%-Eigenbeteiligung der Gemeinde erfordern und diese finanziell nicht darstellbar ist, könnten Modelle wie Crowdfunding geprüft werden – sofern entsprechende Motivation in der Bürgerschaft vorhanden ist.

 

Weitere Punkte aus der Diskussion: 

Die Wohnraumsituation ist kritisch. Also hilft jede Verbesserung bei bezahlbarem Wohnraum auch der Personalsituation in den Kitas. Aus dem Publikum wurde über lange Pendelwege des Erziehungspersonals der Gautinger Kitas berichtet.  Vorschlag aus dem Publikum: vermehrt private Eigentümer ansprechen, ob diese z.B. leerstehende Immobilien nicht für diesen Zweck vermieten. 

Buchendorf hat ein erfolgreiches Modell wo Eltern viel im Kindergarten mithelfen. Kann man die Erzieher*innen denn nicht mit Eltern, Ehrenamtlichen oder anderen Kräften bei Nichterziehungsaufgaben unterstützen ?

Frage aus dem Publikum: wie steht es mit einer Preisdeckelung bei den Betreuungsgebühren ?

 

Dazu kam gleich die Entgegung: dies ist ein zweischneidiges Schwert da dieser Hebel wieder zur Personalkostensenkung eingesetzt werden kann und damit die Erzieher*innen eher unter Druck setzt. Anmerkung Dr. Matthias Ilg: kann das aus eigener Erfahrung aus Zivildienstzeiten bestätigen. 

Außerdem wurde eine verbesserte Zusammenarbeit beim Ganztag zwischen den Institutionen, Gemeinde und Vereinen der Gemeinde (die sich z.B. am Ganztag beteiligen könnten wie im Sport, Kultur, Musik, u.a.) angeregt. 

 

 

Zusammenfassung (Claudia Nothaft und Dr. Matthias Ilg) – 5 Punkte-Plan:

 

  1. GEMEINDE ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG
    Wir prüfen Kindergärten in Gemeindeträgerschaft (so wie Gilching). Ziel ist es Kosten herunterzufahren und die Kindergartenkompetenz in der Verwaltung zu stärken. Die Gemeindeverwaltung weiss dann wovon sie redet.
  2. „SPRINGERPOOL“ FÜR ALLE EINRICHTUNGEN
    Im Zusammenspiel mit 2 etablieren wir einen „Springer“pool beim Personal. Dieser Pool ist zugänglich für alle Gautinger Einrichtungen und stabilisert im Falle von Personalengpässen. Damit steigern wir die Jobzufriedenheit und reduzieren Stress und Belastungen bei den Erzieher*innen.
  3. LITTLE BIRD MUSS PLANUNGSSICHERHEIT BRINGEN
    Den Prozessablauf bei Little Bird stellen wir auf den Prüfstand. Wir wollen umgehende Zusagen für die Eltern damit die Eltern als Arbeitnehmer und deren Arbeitgeber so schnell wie möglich Planungssicherheit haben. 
  4. FAMILIENINSEL IN GAUTING
    Nach dem Modell in Gilching führen wir eine Familieninsel Gauting ein. Damit entsteht ein niedrigschwelliges Angebot für Familien in Gemeindegebiet. Man kann dort einfach hin zum Spielen, sich Austauchen etc auch wenn das Wetter mal nichts anders erlaubt. Es soll auch ein Anlaufpunkt im Krisenfall sein.
  5. KINDERGÄRTEN BEI DER ENTBÜROKRATISIERUNG UNTERSTÜTZEN
    Wir helfen den Kindergärten in Gauting bei der Entbürokratisierung (Beispiel: Risikobewertung Reinigungsmittel) und machen die Arbeit dadurch für die Erzieher*innen attraktiver.

 

Die fünf Punkte reichen aber noch nicht für den Turbo – ganz ehrlich. Es braucht einen x*5 Punkteplan damit wir einen Qualitätssprung hinbekommen.

Dafür müssen wir alle zusammenhelfen. 

 

 

Hintergrundinfos:

Der Ganztagsbetreuungsanspruch ist auf Bundesebene geregelt im Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG).

Die Einführung erfolgt stufenweise: 

 

 

 

 

© Dr. Matthias Ilg 2026. Alle Rechte Vorbehalten. 

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